Hansestadt und Weltkulturerbestadt Wismar

Wismar ist nicht nur Hanse- und Weltkulturerbe-, sondern auch Karstadt Gründungsstadt. Wismar liegt an der Südspitze der Mecklenburger Bucht und ist durch eine weitere Bucht - die Wismarer Bucht - geschützt. Die Umgebung des heutigen Wismars war frühzeitig besiedelt. So gab es anfangs eine kleine Hafen- und Bauernsiedlung, die nahe an der Via Regia, der wendischen Ost-West-Straße, lag. Die Hansestadt Wismar selbst wurde 1229 das erste Mal urkundlich erwähnt. Dabei stand die "aqua wissemara", ein kleiner Bach in der Nähe, für den Stadtnamen Pate. Die Stadt erlangte schnell größere Bedeutung. Dabei spielten die Seefahrt und der damit zusammenhängende Handel eine wichtige Rolle. So finden sich im Siegel der Stadt auch eine Kogge und ein Stierkopf, welcher die Zugehörigkeit zu Mecklenburg symbolisierte, obwohl die Bürger von Wismar immer wieder für eine gewisse Eigenständigkeit eingetreten sind.

1259 wurde zwischen den Städten Lübeck, Wismar und Rostock der wendische Städtebund geschlossen, der der Sicherung der Handelswege auf dem Land und auf der See diente und sich später zur Hanse entwickelte. Der Handel mit allen Gebieten und Städten um die Ostsee floriert nun und Wismar erreicht die erste Blütezeit. Von 1257 bis 1358 ist Wismar auch Sitz der mecklenburgischen Fürsten.

Bis ins 15. Jahrhundert reicht diese Blütezeit, die dann vor allem durch das Bierbrauen geprägt war. In dieser Zeit gab es nicht weniger als 180 Braustätten in den Mauern von Wismar. Auch die 130 Hopfengärten zeugen von der regen Brautätigkeit. Wismarer Bier wurde nach ganz Europa verschifft und ist ein Markenzeichen Wismars. In Lübeck gab es sogar ein Ausschankverbot für Bier aus Wismar, da es von besserer Qualität und beliebter war als das einheimische. Heute gibt es nur noch eine Brauerei in der Hansestadt und zwar das "Brauhaus am Lohberg". Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle, denn die "Wismarer Mumme" dürfen Sie sich nicht entgehen lassen.

Im 30jährigen Krieg geht der mecklenburgische Herzog ein Bündnis mit dem König von Dänemark ein, so dass die Mecklenburger auf der Seite der Protestanten kämpfen. Nach einer Niederlage in Lutter am Barenberg flüchten die dänischen Truppen Richtung Wismar und der Insel Poel. Dabei werden Sie von den Truppen Wallensteins verfolgt, der mit ihnen Wismar belagert, das nach ein paar Tagen aber friedlich übergeben wurde. In der Stadt mussten nun die Truppen von den Wismarer Bürgern versorgt werden, währenddessen sich die Truppen sehr unflätig aufführten. Dies und den durch die Belagerung Wismars durch die schwedische und dänische Flotte erlahmenden Handel, bürdete Wismar eine riesige Last auf, die zum Niedergang führte. 1632 wird Wismar durch die Schweden eingenommen und gehört mit dem Friedensschluss von Osnabrück ab 1648 offiziell zum schwedischen Königreich.

Die Leiden und Entbehrungen der Wismarer fanden aber auch in der Folgezeit kein Ende. Denn schon 1675 erobern die Dänen Wismar, verlieren es fünf Jahre später schon wieder an die Schweden, die Wismar dann zur größten Festung Europas ausbauen. Diese Festung forderte die Dänen anscheinend regelrecht heraus. Fünf lange Jahre lang belagerten sie Wismar im Nordischen Krieg ehe sie Wismar 1716 abermals eroberten. Die Dänen ließen in der Folgezeit die Festungsanlagen schleifen. Ein paar Jahre später gehört Wismar wieder zum schwedischen Königreich; gebeutelt, arm und kraftlos von den Wirren des letzten Jahrhunderts.

1803 verpfändet Schweden Wismar 100 Jahre lang für einen Betrag von 1,25 Millionen Taler an den mecklenburgischen Herzog. Mit Beginn dieser Zeit erfolgt eine kleine Blüte Wismars, denn die ersten Industriebetriebe siedeln sich an und der Hafen erfährt eine neue Bedeutung, weil Holz und Kohle dort umgeschlagen werden, die für das Industriezeitalter überlebenswichtig sind. Rudolf Karstadt gründet sein Kaufhaus, welches sich später zu einem modernen Handelskonzern entwickeln sollte. Noch heute findet sich das Stammkaufhaus in der Innenstadt von Wismar an der Ecke Krämerstraße/Lübsche Straße. Weil Schweden den Pfandvertrag nicht einlöst, fällt Wismar zusammen mit Neukloster und der Insel Poel 1903 endgültig dem Großherzogtum Mecklenburg zu und wird in das Deutsche Reich eingegliedert.

Im Zweiten Weltkrieg erfolgen 10 Luftangriffe auf Wismar, die vor allem zur Zerstörung der Industriegebiete, aber auch der Wohngebiete führten. Von den drei Großkirchen blieb nur die St.-Nikolai-Kirche verschont. Am 2. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Wismar zu Ende. Wismar wurde kampflos von britisch-kanadischen Truppen besetzt. Da das Schicksal aber schon in den alliierten Beschlüssen von Jalta für Wismar beschlossen wurde, wurde Wismar am 1. Juli 1945 an die sowjetischen Truppen übergeben. 1946 erfolgt dann die Gründung der Mathias-Thesen-Werft und 1950 begann der Bau des modernen Stadtteils Wendorf. Die Zeit bis 1990 hat im Stadtbild seine Spuren hinterlassen, dennoch wurde nicht der Fehler gemacht, völlig neue Straßenzüge zu bauen.

So ist die Altstadt von Wismar auch besonders sehenswert, denn sie verdeutlicht eindrucksvoll eine idealtypisch entwickelte Hansestadt aus der Blütezeit der Hanse im 14. Jahrhundert. Die Altstadt ist geprägt durch prachtvolle Giebelhäuser im barocken und gotischen Stil. Bis heute sind in Wismar die mittelalterlichen Grundrisse mit dem dazugehörigen Straßennetz und der Quartierstruktur nahezu unverändert geblieben.

Die heute noch erhaltene Bausubstanz ist ein beeindruckendes Zeugnis für die politische und wirtschaftliche Bedeutung und den Reichtum von Wismar, aber auch von anderen Hansestädten. Besonders die Backsteinkirchen symbolisieren diesen Reichtum. Gerd Giese formulierte es einmal so: "In keiner anderen Stadt ist es möglich, Weltgeist und Provinzialität so nah' nebeneinanderliegend nachzuempfinden wie in Wismar. Die Wechselwirkung von Größe, Ruhm und Wohlstand sowie Machtzerfall und Verelendung in der über 750jährigen Geschichte begleiten den Besucher und Einheimischen auf Schritt und Tritt."

Im Juni 2002 wurde das Denkmal "Historische Altstädte Stralsund und Wismar" in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen und gehört fortan zum schützenwerten Weltkulturerbe der Menschheit. Beide Hansestädte gründeten im April 2001 auch die "Deutsche Stiftung Welterbe". Diese Stiftung soll vor allem in ihrem Erhalt gefährdete Welterbestätten unterstützen und finanzschwache Staaten helfen, ihr kulturelles und natürliches Erbe zu erhalten und zu schützen.

Weiterführende Literatur

Hansestadt Wismar Wismar - Stadt an der Bucht. Ein illustriertes Reisehandbuch.




Weltkulturerbestadt Wismar. Weltkulturerbe Städte: Lübeck, Wismar und Stralsund.




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